Billesiedlung Los IV_gesamt 200
Siedlung Billebogen

Bauherr:

SAGA Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg

Baujahr:

2008- derzeit noch in Bau

Die Siedlung „Billebogen“ befindet sich am südöstlichen Rand Hamburgs, in Hamburg-Bergedorf, Stadtteil Lohbrügge. Östlich der Siedlung grenzt die Bille als wichtiges Naherholungsgebiet an und stellt eine Grünverbindung und Erholungsachse zwischen der Quelle, bei Linau, bis zur Mündung in die Elbe dar. Im Westen wird die Siedlung durch den Ludwig-Rosenberg-Ring, im Nordwesten durch die Straße am Beckerkamp und im Norden durch die Jakob-Kaiser-Straße begrenzt. Die südliche Gebietsgrenze wird von der Wilhelm-Berger-Straße und der Eisenbahntrasse gebildet. Südwestlich der Siedlung befindet sich der Bahnhof Bergedorf mit einer Bahnanbindung an die Hamburger Innenstadt.

Die Siedlung „Billebogen“ entstand auf dem Gelände der Bergedorfer Eisenwerke in den Jahren 1977-1985 als eine der letzten Siedlungen des Wohnungsunternehmens „Neue Heimat“. Noch heute befinden sich auf dem Gelände einige Kunstskulpturen die an die Vergangenheit des Areals erinnern.

Panorama 1500

Die Bebauung des ca. 56.950m2 großen Areals besteht aus bis zu siebengeschossigen Gebäuden mit mehr als 950 Wohnungen, welche überwiegend 2-3 Zimmer und eine Größe von 70-80m2 aufweisen. Angeordnet sind die Gebäude im Wabenmuster. Dies schafft ruhige Innenhöfe und ein parkähnliches Gefüge. Besonders zeichnet sich die Siedlung durch den mit etwa 79 Prozent sehr hohen Anteil an Freiflächen aus. Zusammen mit der Nähe zur Bille erhält die Siedlung so einen sehr grünen, parkähnlichen Charakter.

In der Siedlung „Billebogen“ leben ca. 4.235 Menschen. Der Anteil an Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren ist mit ca. 26 Prozent besonders hoch. Auffällig ist jedoch das rund ein Drittel der Bewohner unter 18 Jahren von staatlicher Hilfe abhängig sind. Diesen Jugendlichen fehlen Perspektiven und Nutzungsangebote. Im Quartier ist eine umfassende soziale und kulturelle Infrastruktur vorhanden, mit Treffpunkten für Mädchen, Jugendliche, Eltern sowie Kitas und kulturelle Treffpunkte. Der Anteil an Bewohner mit Migrationshintergrund beträgt etwa ein Fünftel und liegt damit leicht über dem Hamburger Durchschnitt.

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KSP-Gießkanne

Das Quartier weist einen parkähnlichen, grünen Charakter und einen umfassenden Baumbestand auf. Die überwiegenden Flächen sind ungenutztes Abstandsgrün. Den Erdgeschosswohnungen sind private Freiräume in Form von Mietergärten zugeordnet. Diese werden auch angenommen und genutzt. Im Allgemeinen ist die Versorgung mit Grün- und Freiflächen gut, jedoch sind die Außenanlagen im allgemeinen in die Jahre gekommen. Defizite liegen in der Ausstattung, der (Alters-) Differenzierung der Flächen und ihrer tatsächlichen Nutzbarkeit zum Spielen, für Bewegung, zum Sporttreiben und zum Aufenthalt. Im Großen und Ganzen, ist ein fehlen von generationsübergreifend öffentlich nutzbaren Plätzen festzustellen.

Die Spielplätze sind in einem qualitativ geringwertigen Zustand und verfügen über, im Wesentlichen nicht mehr intakte oder nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechenden Spielgeräte. Dies macht die Spielplätze langweilig und lädt nicht zur Nutzung ein.

Das Quartier durchzieht eine Vielzahl an Wegeverbindungen unterschiedlicher Qualität. Vorrangig dienen diese der Erschließung der Wohngebäude, sind jedoch auch teilweise miteinander vernetzt, sodass sich Abkürzungen und viel genutzte Wegeverbindungen ergeben.

Die Neuplanung sah vor, die Außenanlagen an die heutigen Gegebenheiten anzupassen. Dafür wurden die Hausvorflächen, die Spiel- und Freizeitflächen, die Mietergärten, die das Quartier durchziehenden Wegeverbindungen sowie die Pflanzung überplant. Der Baumbestand wurde dabei weitestgehend erhalten und die vorhandene Pflanzung ausgelichtet. Die Planung erfolgte in intensiven Mieter- und Anwohnerbeteiligungen und viele der dort gesammelten Wünsche und Anregungen wurden später realisiert.

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Hausvorflächen und Spielplatz Walter-Freitag-Strasse

Die Eingangsbereiche der Gebäude erhielten zum Schutz der Fassaden, sowie zur Steigerung der Wohnqualität der Erdgeschosswohnungen, bepflanzte Hochbeete als Abstandsgrün. Zu den Eingängen zugeordnet wurden Fahrradstellplätze mit Fahrradständern. Insgesamt wurden die Hausvorflächen sehr offen gestaltet um Angsträume und dunkle Ecken zu vermeiden. Daneben wurden zahlreiche Eingänge dem umliegenden Gelände in der Höhe angepasst, um einen barrierefreien Zugang zu den Eingängen zu ermöglichen.

Die bestehenden Mietergärten wurden neu gegliedert und erweitert. Im vorgelagerten Bereich der Tiefgarage, im südlich gelegenen Teil wurden, auf der Fläche eines ehemaligen Spielplatzes, neue Mietergärten geschaffen. Diese wurden für interessierte Mieter aus den oberen Stockwerken vorgesehen, da bisher nur Mieter mit Erdgeschosswohnungen über Mietergärten verfügten.

Die im Quartier befindlichen Spielplätze wurden komplett umgestaltet und neu zoniert. Auf allen Spielflächen wurden Bewegungsparcoure errichtet. Die Ausgestaltung der Bewegungsparcoure geschah in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstlern. Bei der Ausgestaltung wurde besonders auf die Förderung der Bewegungsmotorik sowie das liefern von haptischen Erlebnissen geachtet. Dazu wurden verschiedenen Materialien wie Sandstein, Holz, Edelstahl sowie Kletternetze verwendet. Durch die Bauweise und die besondere Materialbeschaffenheit erhielten die Anlagen eine besondere Durabilität.

Zum Einbezug der Quartiersbewohner wurden Beteiligungsaktionen in Form von „Steinbaustellen“ veranstaltet, auf denen Kindern und Jugendlichen aus dem Quartier die Möglichkeit gegeben wurde, unter Anleitung des Künstlers die Sandsteine des Parcours zu bearbeiten und zu gestalten. Daneben wurden Ideen- und Gestaltungs-Workshops veranstaltet. Während der Ideen-Workshops wurde Anwohner die Möglichkeit gegeben ihre Gestaltungsideen einzubringen. Diese wurden in Form eines Modells festgehalten und die gesammelten Ideen für die letztendliche Erarbeitung der Anlage festgehalten. In einem Weiteren Workshop wurde Erwachsenen und Kindern angeboten, zusammen mit der Künstlerin Terracotta Mosaike zu erstellen, welche anschließend als Verkleidung für ein Spielhaus verarbeitet wurden sind.

Neben den Bewegungsparcouren wurden die Spielplätze mit unterschiedlichen Geräten ausgestattet. So wurden Kontaktschaukeln, Seilbahnen und im nördlichen Bereich der Anlage eine Netzspielanlage errichtet. Zusätzlich wurden die Spielplätze mit Tischen, Sitzbänken und –pollern versehen, damit zusätzlich zur Spielfunktion auch die Möglichkeit des hausnahen Aufenthalts besteht.