You are currently viewing Affekte

Affekte

Wenn wir etwas betrachten, stechen sofort Merkmale hervor wie Funktion, Form oder andere Besonderheiten, die wir mustern und bewerten. Aber bei jeder Betrachtung ist auch eine unterbewusste Komponente vorhanden, die beim betrachten sofort unser Gemüt bewegt. Solche Gemütsregungen lassen sich unter dem Begriff „Affekt“ zusammenfassen, welcher seit Jahrhunderten Philosophen beschäftigt hat.

20120807_010

Schon im vierten Jahrhundert vor Christus beschäftigte sich der griechische Philosoph Platon im Dialog Philebus mit den Affekten und teilt diese in vier Kategorien: Lust, Leid, Begierde und Furcht. In den folgenden Jahrhunderten versuchten Philosophen und Forscher verschiedenster Richtungen, von Descartes über Kant bis hin zu Darwin, den Begriff einzugrenzen und eine Erklärung zu finden. Das Konzept ist also nicht neu und wir begegnen ihm jeden Tag, doch sich bewusst damit auseinandersetzten tut man selten.

Der Begriff „Affekt“ ist aus dem griechischen pàthos πάθος (Leiden, Leidenschaft) entstanden und wurde beim verschieben ins Latein zu afficere (einwirken, behandeln) und schließlich zu affectus (Zustand, Gemütseregung, Begierde). In der heutigen Definition beschreibt der Begriff eine Menge mentaler Phänomene, die mit Veränderungen des Befindens und Erlebens einhergehen und auf Vorstellungs- und Denkinhalte einwirken.

20120807_007

Für Architekten und Designer ist nun nicht sosehr die theoretisch-philosophische Definition von Bedeutung sondern was das Konzept des „Affektes“ für die praktische Arbeit, also die Gestaltung von unseren Produkten bedeutet.

Die Produkte interagieren täglich mit Menschen, bei denen sie unterschiedliche Regungen auslösen. Diese Regungen werden durch das Verhältnis von Material, Form und Größe definiert. Die Aufgabe des Architekten besteht nun darin, eine Kombination aus den zur Verfügung stehenden Mitteln zu finden, die beim Betrachter oder Nutzer einen starken Affekt auslöst. Dies ist jedoch mit bedacht zu tun, denn die verwendeten Mittel wirken von Mensch zu Mensch verschieden.

Ein gutes Design, das Affekte richtig einsetzt, wird immer einen starken Eindruck hinterlassen. Darum ist es für Architekten und Designer unabdingbar diesen Mechanismus und die Menschen zu verstehen, um erfolgreiche und wirkende Arbeit zu leisten, welche eine Emotion der Erinnerung beim Betrachter oder Nutzer auslöst.

08.Februar 2013