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Vertical Green – Pflanzung in einer anderen Dimension

Warum Pflanzung nur in einer Ebene, der horizontalen, verwenden? Könnte man nicht die horizontale Landschaftsarchitektur in die vertikale übertragen, auf die Fassaden der umgebenen Gebäude und damit ein lückenlose Integration der Bebauung in die Außenanlagen erreichen, erzwingen? Wie kann man in urbanen Strukturen möglichst viel Grünflächen schaffen?

Stanley Hart White, Professor für Landschaftsarchitektur an der University of Illinois (1931-1938), beschäftigte sich mit solchen und ähnlichen Fragen und entwickelte die „green wall“. Bei der „green wall“ oder dem „vertical green“ werden Fassaden mit Pflanzen versehen, wie bei der horizontalen Pflanzung. Doch das vertical green ist nicht auf Gebäude beschränkt. Genauso lassen sich vielerlei Wände im freien mit vertikalem Grün versehen, genau wie Wände im inneren von Gebäuden. Ziel ist die Integration der umgebenden Pflanzung auf die vertikalen Strukturen der umgebenen Gebäude oder der erhalt grüner Strukturen in Gebieten in denen horizontales Grün auf dem Rückzug ist.

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IBA Hamburg GmbH / Splitterwerk, Graz

Doch vertikales Grün kann noch viel mehr. Mittels der vertikalen Begrünung von Fassaden lässt sich beispielsweise Energie sparen. Im Sommer blühen die Pflanzen, spenden Schatten und kühlen die Fassade, wohingegen sie im Winter Licht durchlassen und ein erwärmen der Fassade ermöglichen und diese gleichzeitig isolieren. Aber es lässt sich auch noch Energie gewinnen. Das Projekt „BIQ“, welches im Rahmen der IBA Hamburg entwickelt wurde, nutz als erstes Gebäude eine Bioreaktorenfassade, welche in Glaselementen Bioalgen züchtet die zur Energieerzeugung verwendet werden. Zusätzlich wird mit den Glaselementen der Einfall von Licht in das Gebäude kontrolliert.

Doch neben energetischen Gesichtspunkten existieren auch ästhetische. Oftmals stellen Fassaden einen Bruch mit der umgebenen Vegetation dar und wirken störend in ihrem Umfeld. Durch Begrünung der Fassaden lassen sich die Gebäude in die sie umgebene Vegetation lückenlos einbinden. Auch lässt sich mittels freistehenden „green walls“ eine Unterteilung der Fläche erzeugen, welche Anziehungspunkte und Sichtschutz bieten und sich zugleich lückenlos in die Pflanzung integriert.

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Bei immer dichter werdender Bebauung in welcher immer weniger Platz für Vegetationsflächen bleibt, stellt die vertikale Begrünung von Flächen eine Lösung dar, Städte lebenswert zu erhalten, nicht nur für die menschlichen Bewohner. „Vertical green“ ist eine Möglichkeit der horizontalen verbannten Natur in den Städten eine vertikalen Rückzugspunkt zu bieten. Gleichzeitig lässt sich mit grünen Fassaden Energie sparen und erzeugen. Ein Konzept für zukünftige Landschaftsarchitektur in urbanen Strukturen?

21.Mai 2013